Renntag:
Aufstehen um 04:30 Uhr, Frühstück um 04:45 Uhr, 05:15 Uhr ins Auto, 05:45 Uhr in der Wechselzone- die ganz normale Tagesroutine am Wettkampftag.
Heute ist alles wie schon immer- bis auf das Wetter. Die ganze Nacht und immer noch schüttet es wie aus Eimern, die Temperatur liegt bei 11°C. In der einen Hand halte ich einen Schirm mit der anderen Hand versuche ich mein Rad für den Wettkampf vorzubereiten. Immer noch stelle ich mir die Frage: „Was ziehe ich an und wie optimiere ich meine beiden Wechsel?“. Der Entschluss fällt um 06:25 Uhr. Ich ziehe ein Unterhemd unter mein Wettkampftop und die Knielinge an; Neoprenkappen ziehe ich über die Radschuhspitzen. Ein schneller Wechsel wird also nicht stattfinden. Laufschuhe, Radschuhe, 2 Paar Socken, ein Handtuch, die Schirmcap und meine Sonnenbrille verpacke ich regendicht in eine Plastiktüte, in der Hoffnung, der Regen hört während des Schwimmens auf. Ärmlinge auf den Tri-Lenker, den Helm unter das Rad und eine große Plastiktüte über das Ganze.
Danach ziehe ich den Neo an und um 06:35 Uhr geht es dann Richtung Schwimmstart und gleich zum Einschwimmen ins Wasser.
06:55 Uhr Startschuss:
Immer wenn wir Profis nicht zusammen mit den Altersklassenathleten starten, habe ich mir angewöhnt nicht mehr wie verrückt loszuschwimmen sondern das ganze „gemächlich“ anzuschwimmen. Das kann ich mir ja zum Glück erlauben, da ich ja nicht der schlechteste Schwimmer bin. Meine Position fand ich auch dann gleich direkt hinter Balasz und ab dann begann der wärmste und lockerste Teil des Wettkampfes. Die zwei Runden gingen schnell vorbei. Öfters habe ich mir überlegt vorzuschwimmen, um noch ein paar Sekunden für meinen bevorstehenden langsamen Wechsel zu gewinnen, aber mein Entschluss Kräfte zu sparen stand. So ging ich als zweiter in die Wechselzone, mache den Umständen entsprechend einen schnellen Wechsel und laufe in Richtung Ausgang der Wechselzone. Dort wurde ich darauf hingewiesen, dass meine Startnummer fehle. Also wieder zurück zum Wechselplatz und die Startnummer holen. Nach dieser Extrarunde durch die Wechselzone konnte ich dann endlich als Dritter auf die Radstrecke. Die ersten Minuten nutzte ich, um meine Ärmlinge anzuziehen und um festzustellen, dass es noch immer fürchterlich regnete. Meine Laune war zu diesem Zeitpunkt nicht sehr gut, da ich Regen nicht mag und den Anschluss an die ersten Zwei (Matthias Hecht, Balasz Csöke) verloren hatte. Eigentlich wollte ich direkt an der Spitze losfahren. Diese Taktik ging jetzt nicht mehr auf, da Matthias bereits eine Minute Vorsprung hatte. Also fuhr ich alleine am See entlag und fragte mich, wie lange es wohl dauert bis die ersten von hinten kommen. Nach vorne orientierte ich mich nicht. Nach 5 km sah ich aber in der Ferne einen Radfahrer und beschloss zu ihm aufzuschließen- vielleicht ist es ja Matthias. Mit voller Kraft und Puls 180 begann ich die Aufholjagd. Schon wenige Minuten später war ich an ihm dran, musste aber feststelle, dass es nicht Matthias sondern „nur“ Balasz war. Balasz war mir aber zu langsam und so beschloss ich an ihm vorbeizufahren. Bei km 25 kam dann Ronnie vorbeigeflogen. Ich merkte gleich, dass er einen verdammt guten Raddruck hier in der Ebene hatte- ich ließ ihn ziehen. Nach weiteren 5 km verließ ich dann die Seestraße und fuhr in das wellige Gelände. Hier merkte ich gleich den Gewichtsunterschied zwischen Ronnie (80kg) und mir (68 kg). An den Anstiegen konnte ich wieder auffahren, in der Ebene fuhr er aber wieder davon. Bei km 35 fuhr ich an Matthias vorbei. Das Tempo war ziemlich hoch (ca.42 Km/h im Schnitt). Er konnte / wollte nicht folgen. Nach 50 km musste ich dann aber doch das Tempo etwas drosseln. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt einen Puls über 170 und diesen kann ich nicht über 180 km fahren. Ab diesem Zeitpunkt ist das Radfahren ziemlich schell erzählt. Ich fuhr mittleres Tempo und schaute alle 5km nach hinten, sah aber keinen anderen Athleten und fragte mich die ganze Zeit, ob die hinter mir Liegenden wirklich noch langsamer als ich fuhren. Bei km 170, als ich schon längst nicht mehr damit rechnete, kam doch noch einer- Stefan Riesen. Irgendwie freute ich mich jetzt sogar, obwohl ich gerade den zweiten Platz verlor, aber jetzt immerhin etwas Abwechslung im Rennverlauf genoss. Die vergangenen 3,5 Stunden waren mal wieder nicht gerade kurzweilig. Außer die Zuschauer, die an einigen Punkte standen und dort große Stimmung machten, waren meine einzigen Begleiter der Regen, die Kälte und mein immer wieder auftretendes Magenknurren. Ja, ich hatte verdammten Hunger auf der Radstrecke. Zum erstenmal in einem Ironmanwettkampf hätte ich gerne einen dicken Döner gegessen. Da es aber keine Döner im Angebot der Verpflegungsstellen gab, begnügte ich mich mit Powerbars, Gels und Bananen. In die Wechselzone kam ich dann zusammen mit Stefan rein.
Mein 2. Wechsel war ähnlich wie der Erste- nicht gerade schnell. Ich kam ca. 20sec hinter Stefan auf die Laufstrecke. Die ersten km hatte ich immer wieder Krampfansätze in den Oberschenkel und lief dementsprechend verhalten an. Meine Pulswerte waren aber im grünen Bereich. 4er Schnitt bei 160 Puls. So lief ich die erste und die zweite Runde recht locker und machte mir schon Gedanken ab wann ich etwas schneller laufen werde. Von hinten kam Frank Vytrisal immer näher. Am Anfang der dritten Runde machte sich ein Bedürfnis bemerkbar. Ich beschloss schließlich- es setzten bereits Magenschmerzen ein- bei km 25 ein kurze Pause auf dem Dixi einzulegen. Nach 2 Minuten und endlich ohne Knielinge (die habe ich nämlich in der Wechselzone versehentlich angelassen) setzte ich den Marathon fort. Frank war inzwischen an mir vorbeigelaufen. Jetzt an 4. Position liegend, war ich nur noch bedacht nach hinten abzusichern. Frank und Stefan sind einfach bessere Läufer als ich und es wäre wohl anmaßend noch einmal anzugreifen. Meine Betreuer gaben mir den Abstand zum 5. Platz- 10 Minuten. Das war genug, um „locker“ ins Ziel zu laufen. Ich traute aber der Aussage meiner Betreuer nicht ganz und so sollten sie sich noch einmal versichern. 3 km später erfuhr ich dann die nackte Wahrheit. 1 Minute auf Platz 5. Im ersten Moment war ich schockiert, dann resigniert (ich dachte, wenn der gerade 9 Minuten auf mich aufgeholt hat, dann läuft er um einiges schneller als ich) und schließlich motiviert, da ich ja noch nicht am Anschlag war. Also beschleunigte ich. Bei km 35 war der Vorsprung auf Platz 5 bereits wieder bei über 3 Minuten. Ich fühlte mich aber immer noch gut und lief das höhere Tempo einfach weiter. Beim letzten Wendepunkt (3km vor Schluss) sah ich dann sogar Frank vor mir auftauchen- er hatte nur noch 30 sec Vorsprung. Leider hat er mich auch gesehen und beschleunigte seinerseits. 30 sec sind aber letztendlich zu viel, um noch einmal anzugreifen. Da ich keinen großen Anreiz mit Platz 3 hatte (Hawaii kommt für mich dieses Jahr nicht in Frage), drosselte ich meine Geschwindigkeit und genoss die letzten km angefeuert von den vielen Zuschauern in Zürich.
Zusammenfassung: Schwimmen „locker“ und gut; Radfahren kalt, mit der drittschnellsten Radzeit aber immer noch schnell; Laufen gut; Wechsel schlecht; an der Motivation während des Rennes, vor allem gegen Ende muss ich noch arbeiten; Potential noch nicht ausgeschöpft.
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